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19.-22.04.19: Oster-Radwandertage in Bad Sulza

Am Freitagnachmittag treffen wir als erste in der schön gelegenen Jugendherberge von Bad Sulza im Ortsteil Bergsulza ein. Der Name hält was er verspricht, denn der Anstieg zur Unterkunft ähnelt tatsächlich einer kleinen Bergbesteigung. Nach langer Fahrt auf dem Drahtesel und vollgepackten Fahrradtaschen, entschließen sich nur die Hartgesottenen für den Tritt in die Pedale. Wir entscheiden uns für gemütliches Hochschieben, merken aber schnell, dass auch das einiges an Kraft kostet und freuen uns daher umso mehr über die herrliche Aussicht, die uns oben geboten wird. Bei strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel genießen wir den Blick über die wunderschöne Region, die mit ihren malerischen Waldgebieten, Weinbergen und der sich durchs Tal schlängelnden Ilm nicht ohne Grund auch „Toskana des Ostens“ genannt wird.

Bis zum Abendessen gegen sechs Uhr trudeln nach und nach immer mehr Apricüsse ein und es gibt ein allseits freudiges und herzliches Willkommen. Einige verlustigen sich bereits auf dem Volleyballfeld im hinteren Teil des Hofes oder an den Tischtennisplatten, andere sitzen gemütlich auf den Bänken in der Sonne. Einige Weitgereiste treffen erst in den folgenden Abendstunden ein, während sich ein Teil der Gruppe nach ausgiebiger Stärkung in Form eines üppigen und leckeren Abendbuffets auf einen Erkundungsgang durch Bad Sulza begibt. Wir erfahren interessante Details über Historie und landschaftliche Be­sonderheiten der Gegend und bewundern das alte Gradierwerk, das der Salzherstellung dient. Durch Verdunstung auf dem langgestreckten Holzgerüst wird der Salzgehalt der aus der Saline gewonnen Sole erhöht und gleichzeitig die Reinigung der Sole bewirkt. Da in die umliegende Luft feinste Salzpartikel abgegeben werden, wird der Ort nahe des Gra­dier­werkes auch als Kurort und für Atemwegsbehandlungen genutzt. Zurück in der Herberge geht der Abend bei Spiel und Trank im Gruppenraum gemütlich zu Ende.

Am Samstagmorgen nach dem Frühstück starten zwei Fahrradtouren, eine lange und eine etwas kürzere, die sich zwischen 40 und rund 80km bewegen. Es gilt, die geschichts­trächtige Gegend zu erkunden und nebenbei allerlei über vergangene Schlachten, Wein­anbau und lokale Bierbraukunst zu lernen. Ich entscheide mich für die längere Route. Auf dem Weg in Richtung Jena machen wir einen kurzen Zwischenstopp in Dornburg und lassen uns dort vom märchenhaften Schlossgarten und einem traumhaften Blick ins Saaletal verzaubern. Dann geht es weiter südlich zum berühmten Napoleonstein auf den Windknollen hinauf, von dem aus sich ein fabelhafter Blick über die schöne Stadt Jena hinweg erstreckt. An diesem geschichtsträchtigen Ort besiegte Napoleon 1806 die preußische Armee in der Schlacht von Jena und Auerstedt; heute dient es als beliebtes Ausflugsziel. Wer möchte, kann kurz auf einer Bank verweilen, den Blick schweifen lassen oder sich in das dort hinterlegte Logbuch eintragen. Zur Mittagszeit treffen sich beide Fahrradgruppen in einer für alle gut erreichbaren Gaststätte, um sich für die weitere Fahrt bei leckerer regionaler Kost zu stärken, bevor es wieder auf die Drahtesel geht. Das angesteuerte Labyrinth erreichen wir leider aufgrund der fortgeschrittenen Stunde nicht mehr vor Schließung desselben und so entscheiden wir uns kurzerhand für eine Routenänderung und einen Abstecher zum Schlosscafé am See zum Eisessen. So kommen wir zudem auch perfekt zum Abendessen in der Jugendherberge an, wo wir bereits von der Restgruppe erwartet werden. Nach dem Abendbrot werden im Gruppenraum die Karten mit darauf verzeichneten möglichen Zielpunkten für die bevorstehende Rallye am nächsten Tag ausgeteilt. Umgehend wird wie wild getüftelt, beraten, gerechnet und gezeichnet, um sich die optimale Tour zu erstellen. Bei Planung der Strecke sollten die Höhenmeter unbedingt beachtet werden, wird uns noch als Tipp mitgegeben, bevor wir erschöpft in die Betten fallen.

Ausgeruht und frisch gestärkt geht es dann am Sonntagmorgen nach vorher festgelegter Reihenfolge im Minutentakt an den Start. Einige begegnen sich unterwegs an den Haltepunkten oder, so wie ich, bereits nach wenigen Metern im Tal, um sich anhand von Wegweisern und Karten der Fahrtrichtung zu vergewissern. Spätestens am Pflichtpunkt, einem kleinen Rastplatz mit viel Grün und ehemaliger Schauplatz französisch-deutscher Schlacht, sind Begegnungen mit anderen radelnden Apricüssen vorprogrammiert. Beim Auffinden des etwas versteckt angebrachten Markierungspunkts samt Quizfrage und Stempel für die Fahrtenkarte wird sich auch schonmal gegenseitig unter die Arme gegriffen, bis sich jeder einzeln oder in Kleingruppen wieder auf das Fahrrad schwingt und weiterdüst. Der Hinweis zur Beachtung der Höhenmeter geht mir auf der Tour von Haltepunkt zu Haltepunkt des öfteren durch den Kopf, besonders dann, wenn ich mich nach mehrfacher Berg- und Talfahrt erneut eine Anhöhe hinaufquäle. Die Hitze macht es nicht unbedingt leichter und jeder kleine Trink- oder Orientierungsstopp wird als dankbare Erholungspause wahrgenommen. Um so stolzer bin ich, als ich kurz vor Ablauf der Zeit endlich ein Schild zur Berggaststätte „Himmelreich“, unserem Zielort, erblicke. Nur mit kleiner Verspätung und somit geringem Punktabzug, erreiche ich - wie viele Apricüsse vor mir und einige nach mir - das in 210m Höhe gelegene Ausflugslokal. Angesichts des traumhaften Blickes auf die Burgen Saaleck und Rudelsburg, sowie auf die Saaleschleife überkommen mich unweigerlich Glücksgefühle. Am späten Nachmittag erwartet uns in der Jugendherberge noch eine süße Überraschung: Der Osterhase versteckte für Klein und Groß ein paar Leckereien, die es nun auf dem Gelände rund um die Herberge zu suchen gilt. Am Abend wird von der Küche aus gegrillt und wer möchte, setzt sich an die Feuerstelle im Hof, um den Abend im Flammenschein ausklingen zu lassen.

Am Montagmorgen nach leckerem Oster­frühstück heißt es: Sachen packen, Betten abziehen und die Zimmer ordentlich hinter­lassen. Während einige der Apricüsse sich zwecks Vereinsbesprechung zusam­men­setzen, brechen andere auf, um mit dem Rad in Richtung Bahnhof oder Heimatort zu radeln. Wir lassen uns die Gelegenheit nicht entgehen und fahren ein Stück den Saale-Radweg entlang bis Naumburg, um von dort aus nach einer kleinen Stadtbesichtigung in den Zug zu steigen. Beim Schlendern durch die schöne mittelalterliche Stadt, vorbei am berühmten Naumburger Dom, treffen wir noch auf so manche Apricüsse und genießen gemeinsam den ein oder anderen Kaffee auf dem Marktplatz und das herrliche Sonnenwetter. Erschöpft aber erfüllt mit wunderbaren Bildern und Erlebnissen rattern wir schließlich im Zug nach Hause. Ich freue mich schon auf das kommenden Jahr :)

Ireen

 

Seite zuletzt geändert: 18.08.2019