Rennsteigwanderung 2014, Teil 6

17.10.2014 - 19.10.2014

Grenzerfahrungen

„Diesen Weg auf den Höh’n bin ich 6mal gegangen,… .“ (frei nach Karl Müller). Ob diesem Herrn Müller auch des Wanderns Lust war, weiß ich nicht. Aber es ist zu vermuten, denn er ist der Texter des Rennsteigliedes, melodisch umgesetzt von Herrn Roth, nein nicht Alexander sondern Herbert. Dieses Lied mit seinen drei Strophen auswendig zu können, war Voraussetzung für die Ehrung nach erfolgreicher Absolvierung aller sechs Rennsteigetappen. Nach Beendigung aller (schon Jahre zurückliegenden) Flämingwanderungsabschnitten, war es mir ein Bedürfnis, dies auch sfür den Rennsteig zu schaffen.

Heiko blies am 17. Oktober zum Aufbruch und 7 Apricusmitglieder folgten seinem Ruf. Erik und ich kamen am späten Abend nach stundenlanger Autobahnfahrt in Steinbach am Wald an, stellten das Auto am Bahnhof ab, und marschierten der vereinbarten Schutzhütte „Am Kurfürstenstein“ zu. Thomas und Frank waren sehr „entgegenkommend“ und ohne ihre Hilfe hätten wir schwerlich das Nachtlager erreicht. Nach freudiger Begrüßung aller anderen „Renner“(so die offizielle Bezeichnung der Rennsteigwanderer) wurde noch ein Bier für die nötige Bett- pardon Isomattenschwere getrunken und sich etwas am Feuer gewärmt. Die Nacht verbrachten wir weniger kurfürstlich in der Hütte bzw. im Zelt. Als wir am nächsten Morgen nach draußen traten, merkten wir, dass wir direkt am ehemaligen Kolonnenweg der Grenztruppen genächtigt hatten - aber nach 25 Jahren seit dem Mauerfall ist die Überschreitung der damaligen deutsch-deutschen Grenze längst zur Normalität geworden. Diesen Kolonnenweg überquerten wir noch öfter und uns wurde bewusst, dass der Rennsteig vor der Wende nicht durchgängig passierbar war. In Brennersgrün waren einige Vorgärten echte Hingucker und schöne Fotomotive. Mittagessen gab es dann in einer unscheinbaren Holzhütte in Rodacherbrunn. Auf unsere Frage, ob Bier aus der Region im Angebot wäre, entgegnete uns die Wirtin, regionales zwar nicht, aber Kronacher wäre da. Kronach ist nur ca. 30 km weit weg, liegt aber in Bayern - für uns eine Grenzerfahrung. Das Angebot war spärlich aber preiswert, und da wir zeitig vor Ort waren, hängten wir die Kaffeepause gleich mit ran. Unsere Schutzhütte am Kulmberg erreichten wir noch im Hellen und so hatten wir ausgiebig Zeit zum Holz sammeln und uns häuslich einzurichten. Dass ich noch am Abend unter tosendem Applaus für die Komplettbezwingung des Rennsteigs mit Preisverleihung geehrt wurde, lag daran, dass Heiko Ballast aus seinem Rucksack loswerden wollte – so eine Flasche edlen Kräuterlikörs und Bücher haben doch ihr Gewicht. Nach dem Grillen mit echten Thüringer Rostbratwürsten und Rostbräteln - mit echtem Thüringer Grillmeister natürlich - klang der Abend am Lagerfeuer aus und ich kam auch nicht um die Rennsteighymne herum.

Heiko hatte sich nicht nur als Organisator der Wandertour verdient gemacht, er zeigte auch Qualitäten als Forstarbeiter, die er lautstark des Nachts äußerte. Darum hatte sich die Zahl der Hüttenschläfer auf drei reduziert. Der Rest zog sich in hinreichendem Abstand auf eine Wiese zurück.

Sonntag waren die letzten 10 km des Rennsteigs zu absolvieren und bei sehr milden Temperaturen erreichten wir Blankenstein, leider ohne Einkehrmöglichkeit, um die Tour würdig abzuschließen. Uns blieb noch der Gang zur Saale, um den nach altem Brauch aus der Werra entnommenen Stein über 168 km transportiert in diese zu werfen. Dies tat aber nur - Asche auf mein Haupt - Heiko. Mit dem Schienenersatzbus fuhren wir gemeinsam Richtung Saalfeld. Wegen des Bahnstreikes stiegen Erik und ich in Wurzbach aus, Erik trampte nach Steinbach und holte das Auto. Dadurch waren wir zeitiger zu Hause und hatten auch noch einen Teil der Fahrkarte gespart.

PS: Die Rennsteigwanderung ist nun Geschichte. Was bleibt, sind schöne Erinnerungen, mit Freunden und Weggefährten die Natur zu erleben, Abende am Lagerfeuer musizierend oder plaudernd zu verbringen. Dafür lohnte sich auch die lange Anfahrt. Ein großes Dankeschön an die Organisatoren Heiko und Osama. Vielleicht klappt es ab dem kommenden Jahr mit einer Weiterführung der Tour durchs Vogtland oder Erzgebirge.

Jörg Schulze


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