Paddeln 2014 auf der Warnow

28.05.2014 - 01.06.2014

Bericht

Die schon traditionelle Paddeltour zu Himmelfahrt fand dieses Jahr auf der Warnow statt, die sich, bei Schwerin entspringend über eine Länge von 155 km durchs schöne Mecklenburg gen Norden windet und schließlich in Warnemünde in die Ostsee mündet. Unsere Tour war nicht ganz so lang, zumal ein Teil des Oberlaufs der Warnow für das Bepaddeln gesperrt ist. Losgepaddelt sind wir daher in der Nähe von Zaschendorf und schwammen bis nach Schwaan - immerhin 72 Flusskilometer.

Auftakt der Tour war allerdings, bei Eiseskälte aber immerhin ohne den im Rest von Deutschland fallenden Dauerregen, die Übernachtung auf dem sehr ruhigen und schönen Wasserwanderrastplatz am Bützower See. Der erste Abend ließ uns schon mal eng zusammenrücken, am Lagerfeuer nämlich. Für eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Teilnehmern, Kindern wie Erwachsenen, gab es auch gleich eine kulinarische Premiere und Höhepunkt der Tour: am Feuer geröstete Marshmallows. Lydia bekommt beim nächsten Mal ihre eigene Kiste.

Am nächsten Morgen wurden wir, die Boote und unser Gepäck (offenbar zusammen mit dem Gepäck und Nahrungsmitteln für eine ganze Kompanie) mit Autos nach Zaschendorf transportiert. Die - vermutlich von Diana bestellten - Vögel hatten uns Großstädter schon Stunden vorher geweckt, so dass wir pünktlich starten konnten. Bei Zaschendorf ging's dann endlich in die gemieteten Boote, allesamt Dreier-Kanadier. Binnen Minuten war man umgeben von einer stillen Wiesen- und Schilflandschaft. Alex und Anne, unsere Faltboothelden mussten allerdings erst ihr Faltboot entfalten, bevor auch sie lossegeln konnten. Nach kurzer Zeit überqueren wir den Mickowsee und können gleich vier miteinander jagende Seeadler beobachten. Kilometerlang windet sich die Warnow durch stille Wiesen, Sümpfe und Röhrichte, sehr ruhig, grün und entspannend. Nach 9 km erreichen wir Alt Necheln und machen eine Kaffee- und Kuchenpause im elegant restaurierten alten Gutshaus, das von der ersten Architektin Deutschlands, Emilie Winkelmann, entworfen wurde. Indem sie die Kellnerin auf ihrem Weg nach draußen abfängt, sichert sich Angelika das letzte Stück Blaubeerkuchen vor dem auf der Terrasse aufgeschlagenen Rest der Truppe. Kurze Zeit später ist der Kuchen komplett aufgegessen. Alle, die nichts abbekommen haben, kriegen Kekse auf Kosten des Hauses. In der Naturschutzstation nebenan bekommen wir eine Führung zu Lebensweise und Schutz des auch an der Warnow wieder vertretenen Bibers. Im Wettstreit Baum gegen Biber hat eindeutig der Biber die Nase vorn.

Foto Paddeln auf eer Warnow
Hängematte = Spaß

Gemächlich schippern wir weiter bis es kurz vor dem Rastplatz in Weitendorf nochmal spannend wird: eine Steinstufung und das Gefälle sorgen für Wildwasserfeeling, aber alle kommen unbeschadet durch. Auch in Weitendorf gibt es wieder ein Lagerfeuer, vor allem aber Bäume, an denen man eine Hängematte aufhängen und sich so richtig geil austoben kann, wenn man Kind ist oder geblieben ist.

Am nächsten Morgen gibt es zwar keine Brötchen, dafür aber endlich Sonne. Der Freitag wird sonnig und wir endlich warm. Wieder winden wir uns beschaulich durch Wiesen und Weiden und nähern uns der Stelle, an der die Warnow sich ein Bett durch die Endmoräne der letzten Eiszeit geschaffen hat. Zuerst genießen wir von einem Aussichtspunkt den tollen Blick auf eine Herde Sternberger Schafe und das grüne, hügelige Sternberger Land. Auf dem Weg zum Durchbruchstal hat jemand eine große Menge Wolle verloren, was Wiebke und mehrere andere Teilnehmer zur Wollballschlacht inspiriert. Auf einer Brücke über die Warnow mitten im Herzen des Durchbruchstals besichtigen wir das von uns zu meisternde, mit Steinen und starker Strömung versetzte Flussbett und beobachten andere Paddler bei ihren mehr oder weniger gelungenen Versuchen da elegant durchzukommen. Mit unserer Erfahrung bewältigen wir die Stelle anschließend mühelos. Alex und Anne, die ihr Faltboot lieben, schieben lieber. Um auf Nummer sicher zu gehen, schieben sie auch dann noch als ihnen das Wasser schon wieder bis zur Brust reicht. Eine tückischer Stein kann überall lauern, man weiß ja nie. Dass der Fluss tatsächlich tückisch sein kann, müssen Katrin, Fine, Joni und Heiko ein paar Flussbiegungen weiter erfahren: sie kentern an einem Baumhindernis, binnen Sekunden läuft das Boot mit Wasser voll und dreht sich. Glücklicherweise ist es nur eine Schrecksekunde. Durch die besonnene Reaktion und beherzte Hilfe anderer Paddler nimmt keiner Schaden und auch alles Gepäck, mitsamt der Kuschel-Schildkröte, kann geborgen werden, wenn auch nicht mehr ganz trocken…

In Eickhof, dem Rastplatz für die nächste Nacht, gibt es Lübzer-Lemon und alles ist wieder gut. Der Abend vergeht an der Feuerschale bzw. für Wiebke und Sohnemann an der Chipstüte.

Am nächsten Morgen dann tatsächlich die heißersehnten Brötchen und ein Törtchen und Ständchen für Anke Siegemund, die heute Geburtstag hat. Weiter geht's durch die grüne und stille Flusslandschaft. In Rühn machen wir Rast und werden von Antje, Mitglied des Vereins, der sich der Bewahrung der 800 Jahre alten Klosteranlage verschrieben hat, sehr charmant und humorvoll durch die wechselvolle Geschichte des Klosters von seinen Anfängen als Schenkung des letzten slawischen Fürsten bis zur Nutzung als Jugendwerkhof zu DDR-Zeiten geführt. Irgendwo in einer der Mauern soll auch eine Nonne eingemauert sein, bestraft für ihre Liebe. Dunkel war das Mittelalter und grausam die Religion. Der Wirt der Klosterschenke kann uns nur DDR-artiges Einheitsessen anbieten, also wird beschlossen lieber am Abend in Bützow zu grillen. Flussabwärts paddeln wir durch Bützow mit seinem Schrebergartenvenedig und erreichen - endlich scheint wieder die Sonne - den Bützower See und unseren Rastplatz vom Mittwoch.

Foto Paddeln auf der Warnow

Wolfgang, der uns mit seinem Auto die ganze Zeit hilfreich zur Seite stand, hat bereits alles für unser Grillfest besorgt. Steaks, Bratwürste und vegetarische Alternativen brutzeln auf dem Grill, Salat steht eimerweise zur Verfügung. Das Abendrot ist gratis, und um das Lagerfeuer wird bis weit in die Nacht gefeiert und gelacht. Nachts ist der Biber auf dem Rastplatz aktiv. Mehrere Teilnehmer berichten übereinstimmend gehört zu haben, wie mehrere große Bäume im Laufe der Nacht lautstark umgesägt wurden. Zu sehen ist am Morgen nichts...

Die Fraktion aus Jena verabschiedet sich schon am Sonntagmorgen - zu lang wäre sonst die Heimreise. Der harte Kern segelt weiter bis nach Schwaan, wo die Warnow nun schon ein stolzer Fluss von 20m Breite ist. Zum Abschluss kommt dann sogar die Sonne raus, bevor wir uns alle auf den Heimweg machen.

Ein ganz herzliches Dankeschön an Diana und Jörg für eine perfekt organisierte, wunderschöne Tour!

Christian Bölling


Galerie

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